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16.01.2018

Das Aktuelle Medieninterview – Krause-Biagosch setzt auf internationale Nachfrage

20.12.2017
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Hr. Beke-Bramkamp, Sie haben auf der WAN-IFRA-DCX-Expo in Berlin sehr regen Besuch verzeichnen können. Können Sie unseren Lesern die aktuelle Produktpalette etwas näher vorstellen? 

Stefan Beke-Bramkamp: 
Willkommen in Bielefeld, Herr Malik. Stimmt, wir konnten ein reges Interesse an unserer Neuvorstellung, dem PlateStream Belichter und der automatischen Reinigung der BlueFin Entwicklungsmaschine feststellen. Krause war ja einer der wenigen Hersteller, der Equipment auf der Messe hatte, und das hat sich in Form von Besucherinteresse, neuen Projekten und Aufträgen für uns ausgezahlt. 
Krause gilt seit mehr als 160 Jahren als innovatives Unternehmen, und dafür haben wir auf der diesjährigen WPE wieder  einmal den Beweis erbracht. Unser heutiges Produktportfolio im CTP Bereich ist sicherlich das umfangreichste aller Anbieter für die Produktion von Zeitungsdruckplatten. Mit dem Smart’n’Easy Jet, dem LS Performance, dem LS Jet und LS Jet Multiformat, dem PlateStream Compact und Multiformat, sowie dem LS Performance XXL und dem LS Jet Asia für asiatische Handtuchformate bieten wir 6 unterschiedliche CTP Belichtertypen in variablen Geschwindigkeiten für nahezu jede Zeitungsanwendung an. Komplettiert wird es durch die Smart’n’Easy Fin, BlueFin und BlueFin LowChem Entwicklungsmaschinen in unterschiedlichen Arbeitsbreiten. Zudem integrieren wir Workflowsysteme von der einfachen Einstiegslösung bis hin zur komplexen Systemautomatisierung. Bei vielen Projekten vertrauen unsere Kunden auf unsere Kompetenz, so dass wir bei diesen Kunden schlüsselfertige Lösungen inklusive der Stanz/Abkanter und Sortierungen integrieren.   
  
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Wie ist Krause-Biagosch in den Unternehmensverbund der Hostmann-Gruppe eingebettet? 

Stefan Beke-Bramkamp: 
Nun, als Herr Horstmann Krause im Jahre 1975 übernommen hat, war es sein erstes Unternehmen und der erfolgreiche Einstieg in die Unternehmertätigkeit.
Krause kann somit als Herzstück oder Ursprung der Horstmann Gruppe gesehen werden und ist auch heute noch bei vielen Neuentwicklungen der Vorreiter in der Gruppe, die ihre Zentrale auch am Standort von Krause in Bielefeld hat. Wir sind strukturiert in verschiedenen Bereichen, wie die Möbelindustrie, die Lebensmitteltechnologie und hier vor allem Bäckereimaschinentechnik, die grafische Industrie, die Metallverarbeitung und IT-Gesellschaften. Die anderen Firmen in der Gruppe sind ebenfalls mittelständische GmbHs, nutzen aber im Verbund die vorhandenen Ressourcen sowie die Größe der Gruppe mit ca. 1.400 Mitarbeitern und ca. 350 Mio. Euro Jahresumsatz. Das bringt enorme Vorteile beim Einkauf, der Finanzierung von Projekten und Entwicklungen sowie dem Ausgleich von Strukturschwankungen. Natürlich müssen wir auf strukturelle Marktveränderungen, wie im Zeitungsbereich reagieren. Insgesamt gesehen profitieren wir aber von einer stets positiven Entwicklung der vom Inhaber geführten Horstmann Gruppe und einer kontinuierlichen weiteren Entwicklung der einzelnen Firmen, unabhängig von kurzfristigen Marktschwankungen und das bedeutet Investitionssicherheit für unsere Kunden. 

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Wo sehen Sie aus Ihrer Sicht noch weitere Entwicklungspotenziale in der  CtP-Vorstufen-Technologie, auch im Sinne prozessloser Plattenverarbeitung?

Stefan Beke-Bramkamp: 
Bei der Plattenverarbeitung gibt es zwei Trends bei den Plattenherstellern, die für 2 unserer Belichtungstechnologien eine Rolle spielen und beide auf einen umweltschonenden Prozess in der Druckplattenfertigung abzielen: Zum einen LowChem für Violett empfindliche Druckplatten mit weniger Chemieeinsatz und Abfall, bei der saubere Druckplatten den Prozessor verlassen und den Wartungsaufwand reduzieren. Zum anderen Thermal Prozesslos, bei dem der komplette Prozessschritt der Entwicklung wegfällt bzw. in die Druckmaschine verlagert wird. Da der Großteil des Marktes die Violett Technologie einsetzt, gilt der Verbesserung dieser Technologie derzeit unser Hauptaugenmerk. Aber auch die prozesslose Plattenverarbeitung beachten wir und werden hierfür eine gute Lösung bieten. Neben der reinen Entwicklung von Druckplatten geht es den Kunden jedoch um die effiziente Ansteuerung der CTP Systeme, sprich den Workflow, und die auf den Zeitpunkt des Drucks abgestimmte Bereitstellung der Druckplatten in der Plattensortierung. Das Zeitfenster zwischen dem Eingang der Daten und der Auslieferung an den Kunden wird immer kürzer und bedingt bei den knappen Ressourcen der Betriebe eine produktive und zuverlässige Technologie.
 
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Welche Vorteile hat der Anwender davon?

Stefan Beke-Bramkamp:  
Die neuen Technologien machen die CTP Systeme anwendungsfreundlicher und automatisierter, so dass auch bei hohem Produktionsdruck, die Übersicht und eine ruhige Arbeitsweise gewährleistet werden kann. Wir haben dazu vor einigen Jahren das einfach zu handhabende Palettenloading eingeführt, um mit der Beladekapazität im Belichter ohne weiteren Eingriff mit planbarer hoher Leistung die Zeitungen produzieren zu können. Hierbei werden viele Fehler des manuellen Beladens (kein Papier zwischen den Platten, Kratzer bzw. Verbiegungen, Finderabdrücke, etc.) einfach eliminiert, weil direkt von der angelieferten Palette gearbeitet und die Beladezeit um 80% reduziert wird. In Kürze statten wir unsere BlueFin Prozessoren mit dem optionalen AutoClean Kit aus, um den Wartungs- und den Reinigungsaufwand dramatisch zu minimieren. Anstelle der Verarbeitung von ca. 2.000m² Druckplatten und anschließender Reinigung muss zukünftig erst nach 12.000m² automatischer Entwicklung und Reinigung ein Benutzereingriff erfolgen.
Weitere Entwicklungspotentiale und damit einhergehende Chancen sehen wir aber auch im größeren Umfeld der Digitalisierung und additiven Fertigung (3D Druck), bei der neue Funktionalitäten in einzelnen Baugruppen immense Vorteile bringen können. Die Digitalisierung im Sinne von Industrie 4.0 schafft dabei die Voraussetzung zur weiteren Vernetzung von Mensch und Maschine. 

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Wie schätzen Sie die Wachstumsperspektiven in hoch integrierte CtP-Vorstufentechnologien den einzelnen Vertriebsregionen der Welt ein?

Stefan Beke-Bramkamp: 
Das muss differenziert pro Gebiet analysiert und bewertet werden, denn es gibt keine Homogenität der Märkte. Hier auf die einzelnen Vertriebsregionen einzugehen würde den Rahmen sprengen. Aber grundsätzlich ist die Digitalisierung ein weltweites Thema und bietet große Wachstumschancen für hoch integrierte CTP-Lösungen.  Sensoren, elektronische Komponenten und Software treiben die digitale Vernetzung von  Kunde (Anwender) und Lieferant (Krause)  weiter voran. So kann viel schneller agiert oder reagiert werden und die vorhandenen Ressourcen, sprich CTP Lösungen, werden effizienter genutzt. Das breite Produktspektrum von Krause und die sehr modular aufgebauten CTP Lösungen nutzen diese Innovationen und sind somit sehr gut dazu geeignet, um auf die Anforderungen in den  unterschiedlichen Märkten zu reagieren. Eine Exportquote von ca. 80% in den letzten 10 Jahren zeigt, dass wir in den unterschiedlichen Regionen mit unseren Partnern auf dem richtigen Weg sind.  

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Die gedruckte Zeitung als Kernmarke für den multimedialen Auftritt der Zeitung? Wie schätzen Sie dazu die weitere Entwicklung ein?

Stefan Beke-Bramkamp: 
Ich würde mal sagen, wir erleben derzeit eine kleine Renaissance der gedruckten Zeitung, die im medialen Umfeld noch immer die höchste Glaubwürdigkeit besitzt. Nach Jahren mit dramatischen Veränderungen, wie dem Rückgang von Auflagen sowie Konsolidierung der Betriebe und mehr oder weniger erfolgreichen Versuchen Print durch etwas anderes zu substituieren, ist es allen bewusst geworden, dass die gedruckte Zeitung ein sehr wichtiges Instrument im Medienmix ist. Das bedeutet natürlich nicht, dass jeder Verleger auch Drucker sein muss, aber die gedruckte Zeitung erzielt weltweit gesehen immer noch den Großteil der Einnahmen. Daher sollte die Zeitung als Kern der jeweiligen Marke im Interesse der Leser weiter entwickelt werden und von anderen Medienkanälen und Erlösquellen für die Verleger begleitet werden. Bei 
weiterhin sinkenden Auflagen und einer Abwanderung der 
Werbegelder ist es überlebenswichtig, die gedruckte Zeitung bei gleichbleibend hoher Qualität so effizient wie möglich zu produzieren. Die Hersteller bieten hierfür entsprechende Lösungen an, und die Zeitungen sollten exakt analysieren, ob Systemupgrades, eine Neuinvestition oder die Auslagerung der Produktion an leistungsfähige Dienstleister die richtige Lösung ist. 

PreMedia Newsletter: 
Der Einsatz von künstlicher Intelligenz schreitet mit atemberaubender 
Geschwindigkeit voran. Gibt es auch in der CtP-Vorstufe dazu Ansätze, autonomes Drucken zu unterstützen?

Stefan Beke-Bramkamp: 
Sicher, wenn wir uns einmal vor Augen führen, was die Heidelberger Druckmaschinen AG mit der Prinect Vernetzung und dem Push To Stop Konzept auf der drupa vorgeführt hat, gibt es nicht nur Ansätze, sondern auch schon Praxislösungen, die natürlich die CTP Vorstufe mit einbeziehen und den möglichst effizienten Einsatz der Maschinen und die dazugehörige Materialzufuhr zum Ziel haben. Wir gehen mit Partnern im Akzidenzbereich unter dem Stichwort AUTOsPrint einem ähnlichen Ansatz in der Produktionssteuerung und Automatisierung nach und werden unsere Kompetenz in diesem Bereich noch ausbauen, um Akzidenzkunden neben der qualifizierten Beratung eine offene und gute Lösung bieten zu können.   
Unsere Anstrengungen im Zeitungsbereich haben natürlich die autonome CTP Produktion im Fokus und deshalb haben wir den PlateStream, die AutoClean Reinigung und das JetNet Monitoring System entwickelt. Die Anforderungen an die Krause Entwicklung waren sehr hoch und das Ergebnis sind schon bemerkenswerte Funktionalitäten und technische Daten, die ihresgleichen suchen: Einfaches Beladen direkt von Paletten mit einer Plattenkapazität von bis zu 6.030 Platten in bis zu 3 Formaten im direkten Zugriff, eine Leistung von 400 Druckplatten pro Stunde im Rheinischen Format bei 1.270dpi oder ca. 210 Platten pro Stunde bei 2.540dpi für die Coldset Akzidenzproduktion. Eine intuitive APP-Steuerung über das integrierte Tablet oder per Mobiltelefon, umfangreiche Sensorik und neuste Elektronik sowie Softwareentwicklungen für Condition Monitoring und die Vernetzung der Systemumgebung schaffen die Voraussetzung. So kann die Maschine bei ungünstigen Raumbedingungen die Anwender warnen oder die Arbeitsweise automatisch anpassen und im Fehlerfall eine Mail mit allen relevanten Informationen und Videosequenzen an die Bediener, Wartungsteams oder Krause schicken. So wird die Produktion sicherer, die Maschinenzustände sind transparenter und die Wartungen können zustandsabhängig geplant und durchgeführt werden. Das Auto-Clean System des BlueFin Prozessors nutzt intelligent die Produktionspausen und reduziert den Wartungsaufwand an den Prozessoren auf ein Minimum. Die Vernetzung des Gesamtsystems mit dem Krause JetNet Workflow zum  Leitstand der Druckmaschine und dem Stanz/Abkanter bzw. der Plattensortierung ist natürlich ein wichtiger Bestandteil der autonomen CTP Produktion, denn nur wer das Ziel kennt, kann den Weg beschreiten. Kurzum, wir sehen die Zukunft hochautomatisiert, vernetzt und selbstlernend in den Anlagen, unterstützt durch qualifizierte Mitarbeiter beim Kunden und bei uns. Unsere Kunden und innovative Partner helfen uns dabei, diese zukunftsweisenden Lösungen in der Praxis umzusetzen.

PreMedia Newsletter: 
Lieber Herr Beke-Bramkamp, ich danke Ihnen sehr für Ihre sehr interessanten und fortführenden Inhalte in diesem Gespräch.

Stefan Beke-Bramkamp: 
Sehr gerne geschehen, Hr. Malik und ein schönes Fest für Sie und unsere gemeinsamen Kunden.

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