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16.10.2018

Das Aktuelle Medieninterview – Styria Media Group AG setzt auf Print mit Mehrwert

25.09.2018
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Hr. Wilms, herzlichen Dank für die Ermöglichung des heutigen Gesprächs in Graz, um die Gelegenheit zu erhalten, den letzten Stand der Drucktechnik vor Ort begutachten zu können. Können Sie vorab uns das Medienhaus Styria Media Group AG und die Print Group Styria näher vorstellen?

Björn Christian Wilms: Willkommen in Graz, Hr. Malik. Die Styria Media Group hat drei unternehmerische Grundsätze: Orientierung erleichtern, Vertrauen schaffen und Gemeinschaft unterstützen. Die Kernmärkte sind Österreich, Slowenien und Kroatien. Neben den auflagenstarken Tageszeitungen wie der „Kleinen Zeitung“ und „Die Presse“ in Österreich ist noch „Vecernij List“ und „24 sata“ in Kroatien zu nennen.
Gemeinsam mit der Tiroler Moser-Holding betreiben wir gemeinsam Österreichs größte Wochenzeitungsgruppe, die Regional Medien Austria, welche mit ihren 127 Titel und wöchentlich 3,7 Millionen Lesern bei 3,4 Millionen gedruckten Exemplaren erreicht. Des weiteren sind im Styria Media Group-Portfolio auch hochwertige Magazintitel wie „Die Wienerin“, „Sportmagazin“,  „Diva“, „miss“, etc. erfolgreich im Medienmarkt präsent. 
Die Radiosender Antenne Steiermark und Antenne Kärnten erreichen täglich 365.000 Hörer. Die Styria-Buchverlage und der renommierte Molden-Verlag sind ebenso wie die Internet-Portale „Ligaportal“ und „tennisnet“ integriert. Mit dem Internet-Marktplatz „willhaben.at“, einem Joint-venture mit der norwegischen Schibsted Group, und „Wogibtswas.at“ wird das multimediale Angebot breiter gestreut. „Willhaben.at“ zählt in Österreich zum größten Internet-Marktplatz. Dazu gibt es noch Ableger dieser Internet-Marktplattform in Slowenien und Kroatien. Zusätzlich gibt es noch diverse Community- und Content-Portale.
Mit Styria Digital One verfügt die Styria Media Group AG über die größte Online-Vermarktungsgesellschaft in Österreich. Das ist – in groben Umrissen – das Gesamtportfolio unseres Mutterkonzerns. 
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Welche aktuellen Printobjekte werden bei der Styria Print Group derzeit hergestellt?

Björn Christian Wilms: 
Die Styria Print Group umfasst in Summe 3 Standorte, die Druck Styria in Graz, die Carinthia in Sankt Veit in Kärnten und in Kroatien die Tiskara Zagreb.
Ab 1. Oktober werde ich neben den österreichischen Druckereien auch noch für die Styria Media Design verantwortlich sein. Die Styria Media Design, früher unter dem Namen M4! bekannt, ist ein hochintegrierter Dienstleister im Bereich der Medienproduktion. Hier bieten wir neben Layoutleistungen für sämtliche Digital- und Printprodukten auch einen umfassenden Service für Daten- und Bildaufbereitung etc. an. Zu unseren Kernkompetenzen in der Styria Print Group gehören vorrangig die Produktion von Tageszeitungen, Wochen- und Monatszeitungen sowie das Fertigen von Spezialprodukten.
Natürlich auch die Ergänzung der Zeitungen mit Verlags- und Werbebeilagen, die wir mit modernster Ferag-Technik, z.B: mit Sonderwerbeformen wie Tip On Cards oder Memostickern, bewerkstelligen können. Neben internen Verlagskunden bedienen wir auch externe Kundengruppen, wie z.B. den Handel. Für dieses Marktsegment sind aktuellste Produktionsschlusszeiten gefragt, bei denen wir unsere Flexibilität perfekt einsetzen können. Wir steuern auch den Einkauf von Verlagsprodukten, welche wir mit unseren Anlagen nicht selbst produzieren können und daher extern zukaufen müssen. Wir sehen und verstehen uns daher als Full-Service-Dienstleister für unsere Kunden. Das reicht von der hochintegrierten digitalen Vorstufe bis hin zum Druck und Versand. Hier können wir unseren Kunden auch eine Alternative in der Endkundenzustellung anbieten, da wir innerhalb unseres Konzerns, mit der Redmail über eine entsprechend spezialisertes Unternehmen verfügen. 

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Wie viele Mitarbeiter werden in den Druckereien beschäftigt?
 
Björn Christian Wilms: 
In Summe beschäftigen wir derzeit an den 3 Druckstandorten 200 Mitarbeiter. 

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Welche Auflagen-Volumina sind von den Druckereien in den Spitzen-Auslastungszeiten zu bewältigen? Wie hoch ist dabei der Mutationsaufwand der laufenden Produktion durch Regionalisierung hyperlokaler Inhalte?

Björn Christian Wilms: 
Da haben wir eine recht breite Streuung. Wir produzieren auch kleinste Auflagen, bis zu 1000-Stückzahl-Auflagen bis hin zu Massenauflagen, die jenseits der Millionen-Stück-Grenze liegen.

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Die Styria Print Group hat ja ein umfassendes Investitionspaket bei der Print Group Styria realisiert. Welche Investitionen wurden dabei durchgeführt?

Björn Christian Wilms: 
Wir haben in 2 Druckmaschinen vom Typ Colorman e:line 50 XXL autoprint und 2 FERAG-MSD-Einstecklinien investiert. Ebenfalls wurde im Bereich CTP ein Retrofit an den bestehenden Krause Belichtern durchgeführt sowie in neue Stanz- und Abkanttechnik aus dem Hause Nela investiert. Die hochautomatisierte Drucktechnik hilft auch dabei Prozesskosten zu minimieren. Mit dem auf höchsten Entwicklungsniveau installierten Ferag-Versandraum sind wir gut für die Zukunft gerüstet.
Unsere aktuelle Druck-Kapazität liegt somit bei 2 Linien a 96 Seiten im Tabloid (Mini-Berliner Format 31 * 45 cm) oder 2 x 48 Seiten Broadsheet-Format. Weitere Umfangserweiterungen werden dann als Vorprodukte hergestellt. Die biseher genutzten Anlagen im Druck- und Versandbereich werden durch die neusten Anlagen vollständig ersetzt. Die alten Anlagen stehen zum Verkauf bzw. zur Verschrottung an. Durch die hochautomatisierte Druck- und Versandtechnik konnten wir eine weitere Effizienssteigerung in unseren Produktionsprozessen erzielen. 

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Wo sehen Sie die wesentlichsten Vorteile durch diese zukunftsweisende  Drucktechnik?

Björn Christian Wilms: 
Die wesentlichsten Vorteile sind für uns die Produktionsstabilität, bei besser planbaren Instand- und Wartungskosten, die nachhaltigen Qualitätsvorteile für unsere Kunden, eine Erhöhung der Aktualität durch die gesteigerte Produktionsgeschwindigkeit  bei gleichzeitiger Reduktion der Rüst- und Wechselzeiten, wodurch ebenfalls eine Erhöhung der Seitenflexibilität erfolgt. Auch können wir durch die neue Technik unser Angebot an Sonderwerbeformen deutlich ausbauen. Effiziente und schlankere Produtkionsprozesse gehen mit dem Neuinvest natürlich auch einher. 

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Wie funktioniert dabei die Produktionsplanung, Produktionssteuerung und das aktuelle Produktions-Controlling?

Björn Christian Wilms: 
Für uns ist das ein sehr wichtiges Thema. Wir können nun die Planungsdaten vom Verlag automatisch in unsere Produktionsplanung übernehmen. Gleichzeitig werden diese Daten in unser übergeordnetes Management-Informations-System EFI-DIMS eingespeist. Die Basis kam ursprünglich von einem holländischen Unternehmen, das dann von EFI aufgekauft wurde. 
Mit diesem System erstellen wir unsere standortübergreifende Produktionsplanung und bleiben mit möglichen Nachkalkulationen unserer Druckaufträge auch transparent. Neu für uns ist die vorauseilende Planung unseres vollautomatisierten Papiertageslagers. Hier erfolgt die Kommunikation zwischen Lagerverwaltungssoftware und Druckmaschine automatisiert. Der reale Papierverbrauch, Restrollennutzung etc. wird dadurch weiter optimiert. Sämtliche während der Produktion gewonnennen Daten werden nach Produktionsende   automatisiert an DIMS gesendet und werden dann für weitere kontinuierliche Optimierungen verwendet.

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Wie weit wird eine vorauseilende, computergestützte Wartung realisiert?

Björn Christian Wilms: 
Hr. Malik, aktuell haben wir das noch nicht. Diese doch sehr zentrale Frage werden wir mit manroland Websystems mittelfristig vorantreiben. Aktuell sind wir sehr damit beschäftigt, die Maschinen, die jetzt in der Endmontage sind, im November 2018 zum Anlauf bringen zu können.
Danach steht diese Frage sehr hoch in unserer aktuellen Agenda.
Maintanance 4.0 mit dem Ziel, durch vorauseilende Wartung die Stillstandszeiten unserer Anlagen so gering wie irgend möglich zu halten.

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Werden durch diese neuen technischen Möglichkeiten auch neue Produkte gelauncht?
 
Björn Christian Wilms: 
Wir sehen uns hier als Full-Service-Dienstleister permanent in der Pflicht, dem Medienmarkt und unseren Kunden neue Produkte oder Services anzubieten. Mit den nun in Betrieb gehenden Anlagen haben wir uns sehr stark an den Bedürfnissen unserer Kunden, auch außerhalb der Styria Media Group AG, orientiert. Wir können damit Sonderwerbeformen neu denken, neu entwickeln und wirtschaftlich herstellen. Mit der jetzt vorhandenen Klebe- und Perforationsmöglichkeit und Inline-Heftung können wir unser Angebots-Portfolio deutlich erweitern. Damit beabsichtigen wir die Auslastung unserer Produktion weiter zu steigern. 

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Verfügen Sie dabei über eine Verkaufs- und Vertriebsabteilung?

Björn Christian Wilms: 
Wir haben eine eigene Verkaufs-Mannschaft, die sich dieser Aufgabe der Auslastung unserer Produktionskapazitäten inklusive der Vermarktung von Sonderwerbeformen vollinhaltlich widmet. 

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Durch das Berliner Microformat sind ja Zeitungs-Beilagen doch einigen Einschränkungen unterworfen. Wie geht die Printgroup Styria mit diesen Voraussetzungen um?

Björn Christian Wilms: 
Das ist eigentlich kein Problem, da sich unsere Kunden über viele Jahre an unser Sonderformat gewöhnt haben. Auch Supplements werden seit vielen Jahren kleiner als DIN A4 angeliefert, sodass diese problemlos in das Hauptprodukt eingesteckt werden können. 

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Welche Bedeutung hat der Versandraum als Mehrwertzentrum für den Verlag?

Björn Christian Wilms: 
Der Versandraum ist für uns extrem wichtig und von sehr hoher Bedeutung, da wir bei der „Kleinen Zeitung“ wie auch für die Produkte der RMA sehr viele Zeitungs-Werbebeilagen einzustecken haben. Der Versandraum ist als – so wie Sie das gesagt haben – Mehrwertzentrum in den letzten Jahren immer wichtiger geworden. Dabei müssen immer kleinere Ausgaben-Zuschnitte punktuell zu wirtschaftlichen Bedingungen bedient werden. 
Wir haben uns daher die Möglichkeit, im Versandraum modular zu erweitern, offen gehalten. 

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Hr. Wilms, Sie werden ja als Referent bei der diesjährigen WAN-IFRA-DCX-Expo in Berlin zu erweiterten Markterschließungsmöglichkeiten für die Druckerei einen Vortrag halten. Was wird der Titel Ihres Vortrags sein?

Björn Christian Wilms: 
Da befinde ich mich noch in der Kreativ-Findungsphase. „Best never Rest“ war dazu mein erster Gedanke. Doch auf Grund des enttäuschenden Abschneidens des deutschen Nationalteams bei der Fußball-WM in Russland bin ich davon wieder abgekommen. 
Der Hintergrund meines Referates werden Vorschläge zum Verlassen der Komfort-Zone und ein aktives Druck-Medien-Management sein.

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Hr. Wilms, ich danke Ihnen sehr für dieses aufschlussreiche Gespräch.

Björn Christian Wilms: 
Sehr gerne geschehen, Hr. Malik.

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