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23.02.2012

Die Medienbranche ringt um Orientierung

25.01.2012
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Karl Malik

Der Blick zurück  lohnt sich auch am Jahresbeginn 2012.  Die Konzentration in der Zeitungslandschaft nimmt weiter zu. Schon vor  Jahren hat Axel Springer für 310 Mio. Euro einen Großteil der Regionalzeitungen im Norden Deutschlands an Madsack Hannover verkauft. Madsack hat im Herbst 2011 von der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ die „Märkische Allgemeine Zeitung“ gekauft. Pressedruck in Augsburg hat nach der Übernahme der „Mainpost“ in 2011 nun auch mehrheitlich das Sagen beim „Südkurier“ in Konstanz. DuMont Schauberg hat  die schwer defizitäre „Frankfurter Rundschau“ nach der Übernahme des Berliner Verlages übernommen. Damit ist Fakt, dass sich die 6 größten Verlagsgruppen in Deutschland – Axel Springer, Madsack, Südwestdeutsche Medienholding, Du Mont, Zeitungsgruppe Dr. Ippen und WAZ, sich etwa die Hälfte des mächtigen Zeitungsmarktes in Deutschland teilen. Mit dieser Konzentration können weitere Synergiepotenziale innerhalb dieser Verlagsgruppen realisiert werden.
Doch wie sieht es künftig  mit der Meinungsvielfalt aus?
In den Redaktionen wird weiter gespart, und es werden Stellen durch Abbau von eigenständigen Mantelredaktionen abgebaut. Unter dem Druck schrumpfender Einnahmen führt an einer Neuorganisation in den Redaktionen kein Weg vorbei. Doch der Königsweg für weniger Kosten bei zumindest gleichbleibender journalistischer Qualität scheint noch nicht gefunden.
Im Bereich der regionalen Zeitung sind rein zentral organisierte Redaktionspools wohl der falsche Weg. Die Leser – egal wie sie das Medium Zeitung konsumieren – wollen in ihrer Region ein tiefgehende, seriöse Recherche regional heruntergebrochen geboten bekommen. Und damit kann der regionale Charakter der Tageszeitung nicht nur erhalten, sondern crossmedial ausgebaut werden. Überregionale Redaktionspools sollen wie am Beispiel von Madsack für mehr journalistische Qualität sorgen, andererseits auch helfen, kräftig an der Kostenschraube drehen zu können. So will Madsack-Chef Herbert Flecken bei der „Leipziger Volkszeitung“ 30 von 125 Redakteursstellen bis Ende 2013 streichen. Beim Neuzugang ­„Märkische Allgemeine“ könnte ein ähn­liches Szenario bevorstehen. Derzeit arbeiten dort 30 Redakteure in der Mantelredaktion.
Bei der Zeitungsvermarktung stehen ebenfalls große Veränderungen an. So haben kürzlich sieben große Regionalverlage beschlossen, Grundlagen für die gemeinsame Vermarktung der Zeitung zu erarbeiten. Madsack, WAZ, DuMont Schauberg, die Südwestdeutsche Medienholding, die ­„Rheinische Post“ sowie die Verlagsgruppe Pressedruck in Augsburg wollen offensichtlich die Dinge außerhalb der NBRZ- (Tageszeiungs-Kombi Nielsen-Ballungsraum-Zeitungen), die nach Verkündung im Sommer 2011 kaum vorangekommen ist, in Eigenregie in die Hand nehmen. Momentan wird in diesen Gremien über Strategie, Medialeistung, Preispolitik und Vertriebsstrukturen diskutiert.  Hier bleibt zu hoffen, dass diese Konferenzen rasch zu greifbaren Ergebnissen führen und nicht von eitlem Erbhofdenken der einzelnen Verlage überlagert werden. Viele Gattungsmarketing-Projekte sind daran in der nahen Vergangenheit gescheitert.
Die NBRZ-Kombi repräsentiert 40 Verlage, deren Anzeigenmanager in den Gremien sitzen. Diese müßten dem Vorhaben, die NBRZ mit mehr Vermarktungshoheit auszustatten, zu 80 Prozent zustimmen. Keine triviale Aufgabe wie zu vermuten ist.
Es sind viele Dinge im Fluß – doch wenige Maßnahmen wurden realisiert, die die nationalen wie regionalen Zeitungsmedien weiter voranbringen können.
Orientierung für die Zukunft der Zeitung ist wichtiger denn je. Doch neutrale interna­tionale Think tanks wie beispielsweise WAN-IFRA stehen nicht mehr zur Verfügung. WAN-IFRA konnte ihr akutes Führungsproblem nicht lösen und ist selbst zum Sanierungsfall geraten. Wegweisende Strategien sind auch durch das Ausscheiden leitender Projekt-Manager  nicht zu erwarten. Eine WAN-IFRA, rein auf die gut organisierte EXPO reduziert, ist für die weltweite Zeitungsindustrie zu wenig.
Ihr





Ihr Prof. Ing. Karl Malik
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